Eines der größten Probleme des Diskurses über die Migranten in Deutschland ist die unfaire Herangehensweise an dieselben

Die positive Diskriminierung, die von dem Großteil der Gesellschaft nicht nur geduldet, sondern auch gefördert wird, schadet der Integration, mehr als alle fremdenfeindliche oder vermeintlich fremdenfeindliche Akte zusammen. Es ist mir bewußt, was diese kontroverse These bei jemandem auslöst, der als Bio-Deutscher die persönlichkeitsstiftende Bildung des politischen Systems über sich hat ergehen lassen. Deshalb empfinde ich es als Notwendigkeit
mich und meinen Hintergrund erstmal vorzustellen, um meine Perspektive zu
verdeutlichen. Mein Name ist Mišo Ešić, ich wurde 1981 in Tuzla (Bosnien-Herzegowina) geboren. Im April ’92 kam ich mit meiner Kernfamilie nach Wuppertal. Da mein Vater ein bekannter Schriftsteller und Verleger im ehemaligen Jugoslawien war und von seiner Arbeit auch in Deutschland leben konnte, haben wir keinen Flüchtlingsstatus gehabt, sondern ein sogenanntes Künstlervisum bekommen. Während des Krieges in Bosnien
hatten meine Eltern aus dem Verlag meines Vaters eine Art humanitäre
Erstanlaufstelle für bosnische Flüchtlinge gemacht. Da in meiner Familie keiner außer mir zu diesem Zeitpunkt Deutsch konnte, oblag es mir, alle nötigen Behördengänge für jeden Neuankömmling zu erledigen. Alles von der Erstanmeldung in der Ausländerbehörde über den Mietvertrag, bis hin zu den Besuchen bei dem Arbeitsamt. Da ich zu dem Zeitpunkt gerade mal 11 war, hasste ich diese mir aufgezwungene Arbeit. Unser Privathaus in Wuppertal-Oberbarmen ist zu dem Zeitpunkt schon eine Art Begegnungsort für die bosnische Community geworden. Durch diese Umstände wurde ich gezwungen, mehrere Phänomene zu beobachten, die – wie ich später erkannte – nicht nur auf die bosnische Community zutreffen, sondern viel stärker noch bei anderen Migrantengruppen ausgeprägt sind. Sowie den
mir unverständlichen Umgang der deutschen Öffentlichkeit mit diesen Phänomenen. Der erste Teil der Serie handelt von einem Phänomen, das ich wie folgt benennen will:

I. Unausweichlicher Minderwertigkeitskomplex

Die meisten Menschen leben nicht in Ländern, in denen man sich für seinen
Nationalismus schämt. Bleiben wir als Beispiel bei dem ehemaligen Jugoslawien – doch das müßten wir nicht, da es auch sonst zu jedem anderem Nationalismus passt. Ich war mit 6 Jahren ein Pionier. Man brachte uns bei, dass wir das beste Land und das beste Volk seien und man brachte uns den „Stolz“ auf das Vaterland bei. Es war wie bei allen anderen Nationalisten, dass wir überzeugt waren, dass der einzige Grund warum wir nicht an der Spitze der Welt sind derjenige war, dass es eine unfaire Verschwörung der Welt gegen unser Land gab. Aus religiösen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen. In jedem Fall waren die anderen schuld, dass es uns nicht gut ging.
Und dann kommt man nach Deutschland. Man brauchte den Menschen nicht zu sagen, dass dieses Land besser ist. Es genügte schon zum Arzt zu gehen und nicht die Krankenschwester und den Arzt bestechen zu müssen, um eine menschenwürdige

Behandlung zu bekommen. Es reichte aus, eine Geburtsurkunde von einem Neugeborenem ausstellen zu lassen, ohne das man dazu Stangen von Zigaretten brauchte, mit denen man sowohl den Pförtner wie auch die jeweiligen Sachbearbeiter bestach. Es reichte einfach aus, den funktionierenden Öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Es sind einfache Dinge des Lebens die diesen Minderwertigkeitskomplex auslösen – und je größer der Nationalismus gewesen ist, desto größer fällt der Minderwertigkeitskomplex aus. Man sieht und spürt es ohne dass es einem direkt gesagt wird, dass die ganze Sache mit dem bestem Volk und dem bestem Land so nicht stimmen kann. Dies wird aber erst durch die gedankliche Kompensierung fatal. Diese lautet so brutal es sich auch anhören mag: Dass die Deutschen für dieses System sozusagen Ihre Seele geopfert haben. „Sie können nicht so feiern wie wir“ „Ihr Blut ist kalt“ „Deutsch sind Pussies und haben keine Ehre“ – sind alles Sachen die in der Migranten-Community – in der ich mich auch heute noch bewege – leider apriori Wahrheiten sind. Sie werden nicht mal diskutiert. Sie gelten. Diese unglaublichen Vorurteile werden aber moralisch von niemandem sanktioniert – im Gegenteil! Sie werden auch noch verstärkt von Deutschen die, so hat man das Gefühl, zeigen wollen wie erleuchtet und humanistisch sie doch sind, indem sie auf ihre eigene Nation spucken und die anderen über die eigene stellen. Aus irgendeinem Grund sehen diese Menschen in diesem Verhalten eine zivilisatorische Leistung, die die Größe der eigenen Persönlichkeit beschreibt. Selbst das Vokabular dieser zwei
Gruppen ist auffällig ähnlich: Während die Migranten auf das kalte Blut der
Deutschen schimpfen, schwärmen die neuen Übermenschen vom heißen Blut der jeweiligen Migrantenvertreter. Während die Migrantenvertreter den diffusen Begriff der Ehre anführen – so bemühen die „Verständnisvollen“ den kulturellen Hintergrund, der respektiert werden muss. Während die Migrantenvertreter die deutschen Männer als verweichlichte Memmen beschreiben – bemühen diese Gutmenschen, halb bewundernd, das aktive Patriarchat, das von einem Mann verlangt, der vor Gewalt nicht zurückzuschrecken, wenn die Argumente ausgehen. Es entwickeln sich ungeahnte Synergien zwischen diesen Deutschen, die so voller Selbsthass sind und den Migranten, die immer mehr Hass auf Deutsche entwickeln. Der erste Schritt zur Lösung wäre, wie in den meisten Fällen, als erstes die Anerkennung des Problematik.